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VN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD)

Die Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung ("Convention to Combat Desertification", CCD) ist eines der Ergebnisse der VN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro. Mit ihr wurde ein Handlungsrahmen für die Zusammenarbeit der von Desertifikation betroffenen Staaten - insbesondere in Afrika - und den Industrieländern geschaffen. Die UNCCD verpflichtet die betroffenen Entwicklungsländer, der Desertifikationsbekämpfung im Rahmen ihrer Strategien zur nachhaltigen Entwicklung einen besonderen Stellenwert einzuräumen. Die Industrieländer verpflichten sich ihrerseits, diese Bemühungen durch substanzielle finanzielle Leistungen im Rahmen der bestehenden bi- und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit zu unterstützen und darüber hinaus Technologien und Wissen zur Verfügung zu stellen.

Desertifikation oder fortschreitende Wüstenbildung ist die Verschlechterung des Bodens in relativ trockenen Gebieten, die besonders durch Klimawandel und menschliche Aktivitäten verursacht ist. Rund ein Drittel der gesamten Erdoberfläche ist von Desertifikation im weitesten Sinne betroffen. Damit sind weltweit - nach Schätzungen der UNCCD - mehr als 1,2 Milliarden Menschen in rund 110 Ländern von Trockenheit und Wüstenbildung bedroht, über 250 Millionen sind schon jetzt direkt betroffen. In den nächsten Jahren werden immer mehr Menschen gezwungen sein, ihre Heimat wegen der Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen zu verlassen. Desertifikation ist ein globales Problem.

Die UNCCD versucht, den globalen Verlust von Bodenfruchtbarkeit durch einen integrierten Ansatz zu bekämpfen. Neben der eigentlichen Desertifikationsbekämpfung werden Ziele wie Armutsbekämpfung, Strukturanpassungsmaßnahmen, Geburtenkontrolle sowie konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Rolle der Frauen verfolgt. Zudem wird die Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Nutzung von grenzüberschreitenden Ressourcen unterstützt, wodurch die Konvention auch einen Beitrag zur Krisenprävention leistet.

Deutschland engagiert sich besonders für die UNCCD und hat als Mitglied einer internationalen Arbeitsgruppe an der Entwicklung einer 10-Jahresstrategie zur effektiveren Umsetzung der Konvention mitgearbeitet, welche bei der Vertragsstaatenkonferenz 2007 in Madrid angenommen wurde.

Das UNCCD-Sekretariat in Bonn

Seit Februar 1999 ist das VN-Sekretariat zur Bekämpfung der Wüstenbildung in Bonn angesiedelt. Die Mitarbeiter des Sekretariats koordinieren die Bemühungen der Vereinten Nationen, die Desertifikation weltweit einzudämmen. Sie stellen Daten und Informationen aus allen Ländern zum Stand der Wüstenausbreitung zusammen, koordinieren nationale Aktionsprogramme gegen die Desertifikation und die Sitzungen der Vertragsparteien der Konvention.

Diese Konferenzen mit mehr als tausend Regierungsvertretern finden alle zwei Jahre statt. Nach Nairobi im Oktober 2005 wurde im September 2007 in Madrid getagt.

Geleitet wurde das Sekretariat bis Ende 2007 von Exekutivsekretär Hama Arba Diallo. Der aus Burkina Faso stammende UN-Diplomat mahnte öffentlichkeitswirksam immer wieder ein entschiedenes Handeln - auch der Industrieländer - gegen die Desertifikation an.

Danach übernahm Luc Gnacadja die Leitung des UNCCD Sekretariates. Zuvor war er Minister für Umwelt, Wohnungswesen und Stadtentwicklung in seiner Heimat Benin.

Nationale Aktionsprogramme (NAPs) als wichtige Instrumente

Wichtigstes Instrument der UNCCD sind die Nationalen Aktionsprogramme zur Desertifikationsbekämpfung (NAPs). Sie bilden den Rahmen für alle Maßnahmen der betroffenen Länder zur Umsetzung der Konvention. Die NAPs sind sehr breit angelegt und umfassen unter anderem:

  • Maßnahmen zur Verbesserung des wirtschaftlichen Umfeldes mit dem Ziel der Armutsbekämpfung (z.B. Förderung alternativer Einkommensquellen im nicht-landwirtschaftlichen Bereich),
  • Maßnahmen zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen (z.B. Erosionsbekämpfung),
  • Aktivitäten im Bereich "capacity building."

Dabei wird großer Wert darauf gelegt, dass die Bevölkerung vor Ort in die Programme und Maßnahmen einbezogen wird und so auch die Möglichkeit der Selbsthilfe entsteht.

Die Desertifikationsbekämpfung ist ein wichtiger Beitrag zum globalen Umweltschutz: Aufforstungsmaßnahmen und Erosionsschutz in degradierten Regionen wirken nicht nur dem Verlust biologischer Vielfalt entgegen, sondern tragen durch die Bindung von Kohlenstoff auch zum Klimaschutz bei.

Beitrittsstand und Mechanismen des Übereinkommens

Dem Übereinkommen sind seit 1994 193 Staaten beigetreten, zuletzt Serbien im März 2008. Die Bundesrepublik Deutschland hat das Übereinkommen am 14.10.1994 unterzeichnet. Die EU ist eigenständige Vertragspartei des Übereinkommens (1998 ratifiziert). Das Abkommen trat am 26.12.1996 völkerrechtlich in Kraft.

Vertragsstaatenkonferenzen ("Conference of the Parties", COP) finden seit 2001 alle zwei Jahre statt.

Die Vertragsstaatenkonferenzen werden in wissenschaftlichen und technologischen Fragen vom "Committee on Science and Technology" beraten. Es identifiziert Forschungsschwerpunkte und zeigt Möglichkeiten für die Intensivierung der Forschungskooperation auf.


Stand 04.08.2006

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