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Was heißt es, Deutschland zu repräsentieren?

"Und… was sagen Sie eigentlich zur Griechenland-Krise? Hat Deutschland Griechenland kaputt gespart?" Die Kamera läuft, das Blut schießt einem in den Kopf, jetzt bloß nicht stottern oder, viel schlimmer, über das Ziel hinausschießen und auf ein argumentatives Minenfeld zusteuern. Einen guten Einstieg finden: "Deutschland steht weiterhin zu Griechenland", zum Beispiel. Gleichzeitig freundlich bleiben, klare und kurze Sätze formulieren, informieren, aber nicht von der politischen Linie der Bundesregierung abweichen. Das Ganze mit einer positiven Note abschließen. Und das alles auf einmal.

Zum Glück haben wir noch etwas Zeit, all das zu lernen. Noch war dies ein Trainingsszenario im Rahmen unserer Medienausbildung, die wir in verschiedenen Etappen mit Journalisten der Deutschen Welle absolvieren. Noch werden die Video-Aufzeichnungen gelöscht und sind nirgends live auf Sendung zu sehen.

Übungssituation: Interview vor der Kamera

Übungssituation: Interview vor der Kamera
© Auswärtiges Amt

Nicht mehr "nur" Privatperson

Doch diese Übungen geben uns einen Vorgeschmack auf die Rolle, die wir in Zukunft als Diplomatinnen und Diplomaten einnehmen. Wir werden nicht mehr nur eine Privatperson sein, die sich öffentlich äußern kann, wie es ihr beliebt. Denn mit unserem ersten offiziellen Posten ab Juli 2016 werden wir die Bundesregierung und ihre Positionen repräsentieren. Im Extremfall können falsche Äußerungen gegenüber den Medien dem Ministerium oder der deutschen Außenpolitik großen Schaden zufügen.

Nun werden wir uns auf unseren ersten Posten wohl nicht gleich in einer solch exponierten Situation mit einflussreichen Medien befinden. Und zum Glück kümmert sich darum normalerweise unser erfahrenes Pressereferat. Dennoch spüren wir, wie wir während unserer Ausbildungszeit in die Rolle der Vertreterinnen und Vertreter Deutschlands hineinwachsen (müssen). Das ist auch gleichzeitig das Faszinierende an unserem neuen Job: Wir werden – zumindest in einem gewissen Maße – direkt an der Gestaltung und Umsetzung deutscher Außenpolitik beteiligt sein. Wie unsere Kolleginnen und Kollegen werden wir vielleicht eines Tages in der deutschen Botschaft in Griechenland arbeiten oder für die Bundesregierung in der EU verhandeln. Oder wir werden Strategien entwerfen, wie deutsche Außenpolitik in Zukunft besser auf Krisen wie in Syrien, der Ukraine oder Mali reagieren kann.

Positionen vertreten, auch wenn sie einmal nicht die eigenen sind

Dennoch treibt einen manchmal die Frage um, wie man damit umgehen wird, wenn die Position der Regierung oder des Auswärtigen Amts der eigenen nicht ganz entspricht, man sie aber trotzdem vertreten muss. Denn im Idealfall gehört zu einer effektiven und international erfolgreichen Regierung eine einheitliche Position, die die Mitarbeiter geschlossen im Ausland repräsentieren. Die Werte, für die deutsche Außenpolitik steht – Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit sowie eine gestärkte Europäische Union – können wir in der Welt besser vertreten, wenn wir an einem Strang ziehen. Und vielleicht liegt darin auch die Lösung des Problems: Solange wir für diese grundsätzlichen Werte einstehen wollen, solange wir uns mit dem großen Ganzen identifizieren können, können wir uns auch leichter damit abfinden, wenn wir einmal mit einzelnen Entscheidungen nicht ganz übereinstimmen. Weil wir mit den Pfeilern deutscher Außenpolitik einverstanden sind, können wir sie auch mit Überzeugung in der Welt vertreten.

Blogeintrag von Sophia Sabrow


Stand 15.09.2015

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