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Eine Woche Wahnsinn: Bei der UN-Generalversammlung in New York

Unser Kollege Christian Doktor ist Pressereferent an der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen in New York. Während der Reise von Außenminister Frank-Walter Steinmeier zur UN-Generalversammlung hat er vor Ort Journalisten und Kamerateams betreut, Pressetermine organisiert - und mit New Yorker Taxifahrern Gespräche über die Vereinten Nationen geführt. Hier berichtet er von einer intensiven Arbeitswoche. 

Dienstag, 23. September 2014, draußen ist es noch dunkel. Vor fünf Stunden ist Außenminister Steinmeier zur jährlichen Generaldebatte der Vereinten Nationen in New York gelandet. Die Nacht war kurz und ich bin spät dran. Um 8 Uhr möchte der Minister sein erstes Pressestatement abgegeben. Also ab ins Taxi und auf zur Ständigen Vertretung!

Verkehrschaos in der UN-Woche

Strassensperre während der UN-Generalversammlung

Strassensperre während der UN-Generalversammlung
© Photothek/Köhler

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Strassensperre während der UN-Generalversammlung

Strassensperre während der UN-Generalversammlung

Strassensperre während der UN-Generalversammlung

Als ich dem Fahrer mein Ziel nenne, stöhnt dieser nur auf. "Impossible" – absolut unmöglich zu den Vereinten Nationen vorzudringen, wo heute über 120 Staats- und Regierungschefs und noch mehr Außenminister zusammenkommen. Wir versuchen es trotzdem, schließlich drängt die Zeit. Ein echter Anfängerfehler, wie mir nach und nach dämmert. 

Das Taxi kriecht die Third Avenue hoch, Polizeiautos überall, halb Midtown ist abgesperrt. Der Fahrer flucht, hupt, beschimpft Passanten und Polizisten, wirft mir böse Blicke zu. Den eigentlichen Urheber des Verkehrsinfarkts hat er aber natürlich längst ausgemacht – die Vereinten Nationen! "Warum können die diese Generalversammlung nicht in Kanada abhalten?", fragt er wohl eher rhetorisch. "Da ist mehr Platz als in Manhattan." Stimmt natürlich, aber für eine Verlegung des UN-Sitzes vom East River an den Sankt-Lorenz-Strom ist es jetzt wohl zu spät.

Die Presse ist immer dabei

Zu spät wird es langsam auch für meinen Pressetermin mit dem Minister und der Verkehr ist inzwischen total kollabiert. Präsident Obama fährt durch die Stadt, wir stecken in dem nicht nur bei Taxifahrern gefürchteten "freeze", dem  totalen Verkehrsinfarkt. Also raus aus dem Taxi, weiter geht’s zu Fuß. 

Beim Sprint durch Midtown gehe ich im Kopf die nächsten Tage durch – über ein Dutzend Pressestatements des Ministers, ein G7-Außenministertreffen unter deutschem Vorsitz, Krisendiplomatie zur Ukraine, zum Irak oder zu Syrien, Diskussionsrunden über Klimawandel, Sicherheitsratsreform, illegalen Wildtierhandel und dazwischen unzählige bilaterale Gespräche. Die Zahl der Treffen und Themen ist schier unendlich. Und überall möchten Pressevertreter dabei sein.

Der Pressereferent beim Vorbereiten eines Fototermins - auch hier läuft nicht immer alles problemlos...

Der Pressereferent beim Vorbereiten eines Fototermins - auch hier läuft nicht immer alles problemlos...
© Photothek/Köhler

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Der Pressereferent beim Vorbereiten eines Fototermins - auch hier läuft nicht immer alles problemlos...

Der Pressereferent beim Vorbereiten eines Fototermins - auch hier läuft nicht immer alles problemlos...

Der Pressereferent beim Vorbereiten eines Fototermins - auch hier läuft nicht immer alles problemlos...

Für das Presseteam der Ständigen Vertretung ist das zunächst einmal eine logistische Herausforderung. Bei welchen Treffen ist Presse überhaupt zugelassen? Wie kommen Journalisten und Kameras aufs UN-Gelände und in die zu Festungen umgebauten Hotels, wo viele der Termine stattfinden? Wann, wo und zu welchen Themen möchte der Minister sich äußern? Ohne Unterstützung des Pressereferats aus Berlin wäre die Betreuung der rund 40 deutschen Pressevertreter aus Berlin, Washington und New York gar nicht zu bewältigen.

Eine Themenpalette von Ebola bis Inselstaaten

Und dann haben Journalisten natürlich auch inhaltliche Fragen: Wie will Deutschland die Reform des UN-Sicherheitsrats voranbringen? Was tut die Bundesregierung im Kampf gegen Ebola? Wie sieht die internationale Strategie gegen den Islamischen Staat aus? Wer hat im Moment den Vorsitz der Allianz kleiner Inselstaaten (ja, auch das bin ich gefragt worden)?

Fünf Tage später. Ziemlich erschöpft gönne ich mir ein Taxi für den Weg nach Hause. Noch etwas müder als am Dienstag, aber glücklich, die Ministerwoche ohne weitere Pannen überstanden zu haben. In meinem Kopf verschwimmen die vergangenen Tage zu einem diffusen Brei, doch bevor ich einnicke, weckt mich der Taxifahrer. Ob ich bei der UNO arbeite, will er wissen. 

Der Taxifahrer ist UN-Fan

Ich antworte pflichtgemäß, in Erwartung der nun folgenden Tirade auf die Vereinten Nationen, die Straßensperrungen, das Verkehrschaos. Doch dann passiert das kleine Wunder von New York: Statt zu schimpfen erzählt der Fahrer mir stolz von seinem Schwager, der für die Vereinten Nationen als Blauhelmsoldat im Einsatz gewesen sei. Sein Land, Pakistan, sei überhaupt der zweitgrößte Truppensteller und er selbst ein großer UN-Fan. 

Und so scheint es, dass am Ende einer intensiven und manchmal auch chaotischen Woche alles im Lot ist. Selbst die New Yorker Taxifahrer haben sich wieder mit den Vereinten Nationen versöhnt – bis zum nächsten Jahr, Ende September.

Weitere Beiträge unserer Reihe "Auf diplomatischer Mission"


Stand 01.10.2014

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