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Vom Bundesadler zur Marianne: Als deutsche Austauschbeamtin in Frankreich

Unsere Kollegin Henrike Becker muss als Austauschbeamtin im Pariser Außen­ministerium nicht nur die französischen Gesetze kennen: Auch mit ortsüblichen Redensarten, Geburtsurkunden und den gastronomischen Vorzügen Frankreichs haben ihre Kollegen sie mittlerweile vertraut gemacht.

"Sie werden Austauschbeamtin im Quai d’Orsay", informierte mich im Frühjahr 2013 der Personalplaner und kündigte mir damit einen außergewöhnlichen Posten an – einen einjährigen Einsatz außerhalb des Auswärtigen Amts, in einem völlig neuen Arbeitsumfeld und vor allem in einer anderen Sprache!

Henrikes Arbeitsplatz: Die ehemalige französische Nationaldruckerei

Henrikes Arbeitsplatz: Die ehemalige französische Nationaldruckerei
© AA

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Henrikes Arbeitsplatz: Die ehemalige französische Nationaldruckerei

Henrikes Arbeitsplatz: Die ehemalige französische Nationaldruckerei

Henrikes Arbeitsplatz: Die ehemalige französische Nationaldruckerei

Im Juli 2013 begann ich mein Jahr als Austauschbeamtin im französischen Außenministerium. Als "Diplomate d’échange" bin ich im Referat für die französische Visumpolitik eingesetzt. Mein Schreibtisch steht dabei jedoch nicht in der bekannten Adresse am Quai d’Orsay, sondern in der ehemaligen französischen Nationaldruckerei im 15. Arrondissement, wo neben der Konsularabteilung, der "Direction des Français à l’étranger et de l’administration consulaire", auch noch viele andere Abteilungen des Ministeriums untergebracht sind.

Büroalltag mit Katzen und Fröschen

Anders als in Berlin, wo man meist ein Büro für sich allein hat, teilen sich hier oft mehrere Kollegen einen Raum – für mich anfangs sehr ungewohnt, aber schnell ein Vorteil: mit zwei Kollegen in ständiger "Frageweite" gelingt die Eingewöhnung wesentlich schneller. Gleichzeitig ist der Büroalltag ein ständiger Sprachkurs – französische Redewendungen inklusive. Dass man in Frankreich keinen Frosch im Hals hat, sondern eine Katze ("avoir un chat dans la gorge") und dass das Aprilwetter dort bereits im März stattfindet ("les giboulées de mars") lernt man eher selten in der Schule.

Innerhalb weniger Tage nach Dienstantritt bekam ich nicht nur eine Zugangskarte zum Gebäude, sondern auch eine E-Mail-Adresse des französischen Außenministeriums und Visitenkarten, die ganz klassisch von einer Marianne geziert werden. Mir wurde schnell klar, dass ich nicht "nur" der deutsche Gast, sondern gleichzeitig auch eine "normale Kollegin" bin, die – wenn auch mit deutschem Akzent – voll in das hiesige Arbeitsleben integriert ist.

Der Unterschied zwischen deutschen und französischen Gesetzen

Natürlich beantworte ich regelmäßig Fragen zu Deutschland, zum Auswärtigen Amt und zur Arbeit der deutschen Konsularabteilungen. Auch halte ich einen ständigen Kontakt nach Berlin und in die Botschaft. Gleichzeitig erledige ich jedoch die klassischen Tätigkeiten eines französischen Sachbearbeiters, stehe in Kontakt zu den Kollegen im Ausland, verfasse Berichte, bereite Statistiken vor, und und und …  

Auch über den Visabereich hinaus ist hier immer wieder mein konsularisches Fachwissen gefragt. Während zumindest die Regelungen für Kurzzeitvisa im gesamten Schengengebiet einheitlich in einem Visakodex festgeschrieben sind, gehen deutsche und französische Gesetze in anderen Bereichen manchmal weit auseinander. 

Enge familiäre deutsch-französische Beziehungen

Ausblick über Paris

Ausblick über Paris
© photothek/Imo

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Ausblick über Paris

Ausblick über Paris

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Einer der größten Unterschiede zwischen dem deutschen und dem französischen Konsularsystem liegt im Personenstandsrecht: Während französische Konsulate standesamtliche Aufgaben wahrnehmen, also beispielsweise Geburtsurkunden für im Ausland geborene Kinder ausstellen, nehmen deutsche Konsularabteilungen solche Anträge nur auf und leiten sie nach Deutschland weiter. 

Die französischen Kollegen organisieren in ihren Räumlichkeiten auch regelmäßig Wahllokale: Während Deutschland vom Ausland aus per Briefwahl an den Bundestags- und Europaparlamentswahlen teilnehmen, wählen Franzosen an ihren Auslandsvertretungen. Die (auch familiären) deutsch-französischen Beziehungen sind heute so eng, dass solche Fragen deutsche und französische Konsularabteilungen auf der ganzen Welt beschäftigen können.

Fachlicher und kultureller Austausch

Durch meine Arbeit im französischen Außenministerium lerne ich auch Paris und Frankreich viel leichter und persönlicher kennen, als dies sonst möglich wäre: Egal, ob ich eine Frage zu den französischen Kommunalwahlen habe, einen Urlaubstipp benötige oder auf der Suche nach einem guten französischen Weißwein bin, meine Kollegen wissen immer Rat. Und gleichzeitig halten Sie sich mit Fragen nach Deutschland nicht zurück: Vom deutschen Schulsystem über die Wiedervereinigung bis zu deutschen Backwaren kann alles ein Thema werden – und in der Vorweihnachtszeit wurde hier sogar ein deutsches Stollenrezept zu einer echten Erfolgsgeschichte.

Weitere Beiträge aus unserer Reihe "Auf diplomatischer Mission"


Stand 30.05.2014

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