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"Alman Usulü": Deutsches Radio in der Türkei

Unser Kollege Peter Kettner in Ankara bekam beim Redaktionsbesuch in einem türkischen Radiosender ein unverhofftes Angebot: Eine eigene Radiosendung! Einmal pro Woche sind Deutsche Botschaft, Goethe-Institut und DAAD nun mit "Alman Usulü" auf Sendung. Im Programm: Jede Menge Informationen über deutsche Gesellschaft, Kultur, Politik - und natürlich Musik!

Redaktionsbesuche gehören zum Alltag eines Presse­referenten. Aber manchmal werden aus Routinebesuchen Ideen, und aus Ideen Projekte, mit denen man Neuland betritt. Im Juli 2013 war so ein Tag: Ein Redaktionsbesuch bei einem der größten Radiosender Ankaras, RadyoODTÜ, der Radio­sender der angesehenen Technischen Universität des Nahen und Mittleren Ostens (ODTÜ). In der Türkei trinkt man bei solchen Gelegenheiten Tee und redet über alles Mögliche, vor allem Familie, meistens Fußball, irgendwann auch Politik. Eine tolle Sache, ich lerne dabei jedes Mal total viel! In vielen Fällen geht man auseinander und sagt: lass uns mal "was" zusammen machen, in dem klaren Wissen, dass "was" der nächste Tee sein wird, in einem Monat oder zweien… und das ist auch wunderbar so.

Doch dieses Mal war alles anders: Als ich den Redakteur fragte, ob wir nicht mal "was" zusammen machen sollen, z.B. eine Radiosendung über Deutschland, sagte er: Klar, gerne – aber nur wenn Ihr die ganze Saison bespielen könnt! Jede Woche eine Sendung auf Türkisch über ein deutsches Thema, insgesamt 40 Sendungen. Ach ja, in acht Wochen geht's los…  Man kennt diese Momente – einerseits denkt man: Was für eine Chance! – andererseits: Das schaffen wir nie! Nun sind wir als Deutsche Botschaft allerdings dafür zuständig, das Deutschlandbild in der Türkei auszugestalten. Da kommt man nicht weit, wenn man in Chancen vor allem Probleme sieht – und so haben wir uns nach kurzem Nachdenken darauf eingelassen.

Logo der Sendung "Alman Usulü"

Logo der Sendung "Alman Usulü"
© AA

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Logo der Sendung "Alman Usulü"

Logo der Sendung "Alman Usulü"

Logo der Sendung "Alman Usulü"

Wie man sich denken kann, musste dann alles ziemlich schnell gehen: Wir haben innerhalb von zwei Wochen ein recht großes Moderationsteam (sechs Leute) und ein noch größeres Redaktionsteam (bis zu 15 Leute) aus Botschaft, Goethe-Institut und DAAD zusammengesucht und uns mit Hochdruck an die Vorbereitung gemacht. Eine spannende Erfahrung, denn Radio war für die meisten von uns Neuland. Da kommen natürlich ein paar Fragen auf: Wie strukturiert man eigentlich so eine Sendung? Welche Themen sind interessant und wichtig? Und dann die Musik – Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden…

Ein Name für die Sendung war hingegen schnell gefunden  – "Alman Usulü" heißt wörtlich "die deutsche Art", meint aber in der Türkei vor allem die deutsche Art, im Restaurant zu zahlen (nämlich – für due Türkei unvorstellbar: getrennt!). Das Logo der Sendung folgt in Form und Farbgebung seiner Funktion: Als Plattform, um für die Sendung zu werben, stand zunächst das Oktoberfest der Deutschen Botschaft an – traditionell ein gesellschaftlicher Höhepunkt in Ankara. Geworben haben wir dann mit Bierdeckeln, das Logo musste also auf einen Bierdeckel passen. Es hat gefallen und ist geblieben.

Am 22. September, dem Tag der Bundestagswahl, sind wir das erste Mal auf Sendung gegangen, womit das Thema auch schon feststand: Das politische System in Deutschland, Wahlen, Parteien, Programme – die Sendung endete unmittelbar mit der ersten Hochrechnung.

Seitdem hat sich in vieler Hinsicht so etwas wie Routine herausgebildet: Es gibt Themenideen bis zum Ende der "Saison", wir treffen uns einmal pro Woche zur Redaktions­sitzung, teilen vorbereitende Redakteure und Moderatoren ein. Trotzdem ist es immer noch aufregend – für mich vor allem aus drei Gründen: Der erste und einfachste ist, dass ich vor jeder Sendung, die ich moderiere, Angst habe, dass mein Türkisch trotz aller Vorbereitung nicht reicht. Der Zweite: Es ist immer noch toll und spannend zu sehen, wie wir arbeiten – relativ hierarchiefrei und fast schon im Sinne einer Schwarm­intelligenz. Viele haben ein bisschen was einzubringen und am Ende wird dann ein Ganzes daraus. Und der Dritte: Die Reichweite scheint wirklich gut zu sein! Wir haben zwar keine genauen Angaben zur Hörerzahl, aber RadyoODTÜ ist in der Alters­klasse 25-40 in Ankara der drittmeistgehörte Sender und nach Schätzungen der Radio­kollegen sind es bei uns durchschnittlich deutlich mehr als 10.000 Hörer. "Alman Usulü" ist zudem eine gute Ergänzung zu unserer Homepage (www.anka.diplo.de), Facebook-Seite (www.facebook.com/buyukelciligi) und Twitter-Konto (@GermanyinTurkey). Inhalte können, einmal erstellt, quasi 360° genutzt werden und damit mehr Menschen erreichen.

Perspektivisch möchten wir unser Merchandising-Angebot noch ausbauen: Neben T-Shirts, Stiften und Tassen, die wir in der Sendung verlosen, arbeiten wir an einem Soundtrack. Gar nicht so einfach: Wer hält eigentlich die Rechte von deutschen Songs für die Türkei? Was insgesamt aus "Alman Usulü" nach dieser Saison wird, wissen wir noch nicht genau. Derzeit macht es erst einmal viel Spaß - und das ist für alles Weitere sicher ein guter Anfang!

Weitere Beiträge aus unserer Reihe "Auf diplomatischer Mission"


Stand 23.01.2014

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