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Leben am Krisenposten Kabul

Das Jahr 2014 gilt in Afghanistan als Schicksalsjahr: In den nächsten 12 Monaten stehen dort nicht nur der Abzug der internationalen Kampftruppen bevor, sondern auch die Präsidentschaftswahlen, die für die Afghanen eine tiefgreifende Zäsur bedeuten. Unser Kollege Fabian Otten (25) berichtet aus seinem Alltag in Kabul in angespannter Sicherheitslage - und von den Vertretern einer aktiven afghanischen Zivilgesellschaft, die er bei den Wahlvorbereitungen unterstützt.

Das Bild von Afghanistan in der deutschen Öffentlichkeit ist in erster Linie vom Einsatz deutscher Soldaten geprägt. Dass es hier auch viele Entwicklungshelfer gibt und eine der größten deutschen Botschaften weltweit, wird oft übersehen. Afghanistan wird darüber hinaus vor allem mit Krieg und Terror assoziiert und gilt nicht wenigen als gescheiterter Staat. Dementsprechend besorgt waren auch meine Freunde und Familie, als ich ihnen erzählte, dass ich im Sommer für ein Jahr an den Hindukusch gehen würde.

Arbeitsalltag in angespannter Sicherheitslage

Auf das Leben an einem Krisenposten wie Kabul kann man sich im Vorfeld nur schwer einstellen. Jeden Tag wird man aufs Neue an die schwierige Sicherheitslage erinnert: Das Stadtbild ist durch hohe Mauern, Stacheldraht und eine erdrückende Präsenz von Sicherheitskräften gekennzeichnet. Manche Straßenzüge sind so von Betonmauern eingerahmt, dass man an die Zeiten der Berliner Mauer denken muss.

Fabian Otten (oben links) mit Teilnehmern eines afghanischen Diplomatenlehrgangs

Fabian Otten (oben links) mit Teilnehmern eines afghanischen Diplomatenlehrgangs
© AA/Paaksima

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Fabian Otten (oben links) mit Teilnehmern eines afghanischen Diplomatenlehrgangs

Fabian Otten (oben links) mit Teilnehmern eines afghanischen Diplomatenlehrgangs

Fabian Otten (oben links) mit Teilnehmern eines afghanischen Diplomatenlehrgangs

In diesem Umfeld bewege ich mich auch fast nur von einem geschützten "Compound"-Gelände zum nächsten. Fahrten in gepanzerten Fahrzeugen, Kontrollen an den zahllosen Checkpoints auf dem Weg, das Absuchen der Fahrzeuge durch Unterbodenabspiegelung und den Einsatz von Sprengstoffspürhunden gehören dabei zum Alltag. In so einer Stadt zu arbeiten ist eine Herausforderung. 

Durch die besonderen Umstände herrscht aber auch ein unglaublich enger Zusammenhalt in der Botschaft und darüber hinaus. Gesellige Abende mit Kolleginnen und Kollegen oder bei anderen Botschaften ermöglichen zumindest ein bisschen Ausgleich zu den Einschränkungen, die die Sicherheitslage mit sich bringt.

Wahlen als tiefgreifende Zäsur

Wegen dem bevorstehenden Abzug der internationalen Kampftruppen Ende 2014 blicken viele Afghanen in dieser Zeit sorgenvoll in die Zukunft. Anfang April stehen außerdem die Präsidentschaftswahlen an. Während Wahlen in Deutschland allgemein mit großer Gelassenheit angegangen werden, bedeuten sie hier eine tiefgreifende Zäsur: Präsident Karzai darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Diese Wahlen stellen damit die Chance auf den ersten friedlichen Machtwechsel in diesem Land seit Jahrzehnten dar. Entsprechend groß ist das Interesse in der Bevölkerung und der Wunsch, sich daran zu beteiligen: Über 3,1 Millionen Afghaninnen und Afghanen haben sich zusätzlich zu den bestehenden Registern für die Wahl registrieren lassen – trotz Drohungen der Taliban und anderer aufständischer Gruppen.

Ich freue mich, dass ich durch meine tägliche Arbeit einen kleinen Beitrag zum Gelingen der Wahlen leisten kann. Im Rahmen meiner Arbeit unterstütze ich die Umsetzung von Wahlaufklärungskampagnen in Zusammenarbeit mit einem lokalen Fernsehsender und die Finanzierung des Wahlprozesses. Außerdem helfen wir einer afghanischen Nichtregierungsorganisation (NRO) bei der Durchführung einer unabhängigen Wahlbeobachtungsmission. Gerade die hohe Professionalität, mit der die afghanischen Journalisten arbeiten, hat mich dabei beeindruckt.

Das afghanische Schicksalsjahr 2014

Mit Abzug der internationalen Kampftruppen und den anstehenden Präsidentschaftswahlen steht Afghanistan an einem Scheideweg. Trotz vieler Schwierigkeiten bin ich fest davon überzeugt, dass sich das Land auf einem guten Weg befindet. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, meine Standzeit in Kabul um ein weiteres Jahr zu verlängern. Damit werde ich das afghanische Schicksalsjahr 2014 einschließlich der Präsidentschaftswahlen und dem Abzug der Kampftruppen hautnah vor Ort miterleben können.


Stand 04.12.2013

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