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Erster Familienposten: Abuja

"Was? Wo geht Ihr hin?" Das waren die ersten Reaktionen unserer Freunde, als wir Ihnen mitteilten, dass unser erster gemeinsamer (Familien-)Auslandsposten ausgerechnet Abuja in Nigeria sein würde. Nach mittlerweile mehr als einem Jahr in der "Perle Westafrikas", wie die Stadt von einigen deutschen und internationalen Kolleginnen und Kollegen genannt wird, sind wir nun in der Lage, einen kurzen Überblick über das hiesige Leben als Familie zu geben.

Um es kurz vorweg zu nehmen:  Uns allen geht es hier gut und wir fühlen uns wohl. Über meinen dienstlichen Alltag als Regierungssekretär und Zahlstellenverwalter an der Deutschen Botschaft möchte ich hier nicht allzu viel schreiben: Der ist zwar in jedem Land etwas anders, aber die eigentlichen Aufgaben unterscheiden sich letztendlich kaum. Stattdessen möchte ich beschreiben, wie wir uns hier als Familie fühlen.

Die Kunst, sich zu "arrangieren"

Die Gegensätze innerhalb der Bevölkerung sind groß in Nigeria

Die Gegensätze innerhalb der Bevölkerung sind groß in Nigeria
© AA

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Die Gegensätze innerhalb der Bevölkerung sind groß in Nigeria

Die Gegensätze innerhalb der Bevölkerung sind groß in Nigeria

Die Gegensätze innerhalb der Bevölkerung sind groß in Nigeria

Abuja ist sicherlich nur schwer mit anderen Städten zu vergleichen. Die Unterschiede innerhalb der Bevölkerung sind riesig: Auf der einen Seite läuft man durch Fulanidörfer, wo einem nackte Kinder zuwinken und froh sind, ein Strohdach über dem Kopf zu haben. Auf der anderen Seite überholen einen täglich Luxusschlitten, die in Richtung einer der unzähligen, riesigen Villen unterwegs sind.

Auch als Ausländer muss man einige Abstriche und Einschränkungen in Kauf nehmen und sich, wie es meine Frau gerne ausdrückt, "arrangieren" können. Eine unvorein­genommene, offene Art ist dabei das Wichtigste. Dank der Amerikanischen Schule, an der wir unsere beiden Kinder angemeldet haben, fanden wir alle sehr schnell Anschluss. Unser hiesiger Freundes- und Bekanntenkreis besteht nicht nur aus Nigerianern, sondern auch aus Südafrikanern, Briten, Franzosen, Indern und Mexikanern. Meine Frau hat außerdem gleich in den ersten Tagen beim Sport eine Nigerianerin kennengelernt und aus dieser Bekanntschaft hat sich eine enge Freundschaft entwickelt. Auf diese Weise haben wir gleich zu Anfang viel von Abuja und der nigerianischen Mentalität und dem Leben hier kennengelernt.

Schule, Sport und Spieleabende

Bei so vielen Kontakten müssen wir mittlerweile fast schon aufpassen, nicht jedes Wochenende komplett zu verplanen und darauf zu achten, auch noch Zeit für uns zu haben. Auf Einladungen folgen nicht selten Gegeneinladungen. Man geht beispielsweise zusammen zum "Hash" (die Hash House Harriers sind ein internationaler Laufclub), verabredet sich spontan zu einem BBQ oder besucht gemeinsam den Fischmarkt, um frisch gegrillten Fisch zu genießen. Sogar regelmäßige Spieleabende veranstalten wir seit Kurzem.

Wenn man so sportbegegeistert ist wie meine Frau und ich, vereinfacht das die Eingewöhnungsphase und das Kennenlernen von Leuten noch einmal: Neben Fitness, Tennis und Fussball kann man hier Golf spielen, sich einer Laufgruppe anschließen oder sich zum Mountainbiken treffen, wo man nebenbei die Chance hat, auch mal etwas außerhalb von Abuja den "Busch" zu erkunden. Aufgrund der angespannten Sicherheitslage in Nigeria muss man sich natürlich erst einmal daran gewöhnen, dass man in seiner Bewegungsfreiheit etwas eingeschränkt ist. Aber gerade auch deshalb pflegt man den Bekannten- und Freundeskreis umso mehr.

Im Kreis der Familie ist man überall zuhause

Die besinnliche Adventszeit bei sommerlichen Temperaturen ist nur eine von vielen neuen Erfahrungen

Die besinnliche Adventszeit bei sommerlichen Temperaturen ist nur eine von vielen neuen Erfahrungen
© AA

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Die besinnliche Adventszeit bei sommerlichen Temperaturen ist nur eine von vielen neuen Erfahrungen

Die besinnliche Adventszeit bei sommerlichen Temperaturen ist nur eine von vielen neuen Erfahrungen

Die besinnliche Adventszeit bei sommerlichen Temperaturen ist nur eine von vielen neuen Erfahrungen

Für meine Frau ist es sicherlich schwieriger als für die Kinder und mich. Wir drei gehen früh gemeinsam aus dem Haus in Richtung Schule oder Botschaft; sie ist dann auf sich allein gestellt. Andererseits kann ich auch mit etwas Stolz behaupten, dass gerade durch meine Frau unser Bekannten- und Freundeskreis so groß und vor allem so international ist wie nie zuvor. Sie trifft sich zu gemeinsamen Unternehmungen, hilft bei Veranstaltungen mit oder organisiert Besuche in einer Töpferei oder auf einem Kunstmarkt.

Auch wenn das Leben in Nigeria anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war, so ist der Posten in Abuja für mich und meine Familie die richtige Entscheidung gewesen. Wir werden die nächsten zwei Jahre hier gut verbringen und später ganz bestimmt mit einem Lachen an Abuja zurückdenken. Dass es ab und an auch mal zu Tiefpunkten kommen kann, z.B. wenn man in der Ferienzeit etwas auf sich alleine gestellt ist, da viele Freunde und Kollegen verreisen, dürfte klar sein. 

Zum Schluss bleibt für mich aber vor Allem das Fazit: Jeder Posten hat etwas Gutes und in Begleitung meiner Familie fühle ich mich überall wohl. Ich weiss aber auch, dass ich es aufgrund meines dienstlichen Alltags am Einfachsten habe, mich an einem neuen Ort einzugewöhnen, und ich gerade deshalb meinen Teil dazu beitragen muss, dass wir uns als Familie - egal wo wir leben - alle wohlfühlen.

Weitere Beiträge aus unserer Reihe "Auf diplomatischer Mission"


Stand 10.09.2013

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