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Kampf für Menschenrechte

Die Islamische Republik Iran – ein Land, das in Deutschland viele Assoziationen weckt. Man denkt an Menschenrechtsverletzungen und an eine religiöse Führung, die trotz großen internationalen Drucks an einem Atomprogramm festhält, an dessen friedlichem Charakter große Zweifel bestehen. Doch Iran ist ein Land mit vielen Realitäten, wie unsere Kollegin Maria Adebahr weiß, die an der Deutschen Botschaft Teheran als Menschenrechts- und Rechtsreferentin arbeitet. Hier gibt sie einen Einblick in ihren Arbeitsalltag.

Ich bin sehr früh unterwegs heute, der morgendliche Ruf des Muezzin ist gerade erst verhallt. Es ist ein besonderer Tag, denn es geht um Hilfe für die gut zwei Millionen afghanischen Flüchtlinge in Iran. Erstmals seit der islamischen Revolution vor gut 30 Jahren findet in Teheran ein internationaler Kongress von Nichtregierungsorganisationen, so genannten NRO, statt. Über 50 Mitarbeiter von internationalen Hilfswerken bis hin zu kleinen, privaten Organisationen aus Pakistan, Indien, Afghanistan, Iran und Irak kommen zusammen, um ein Netzwerk zu bilden im Kampf gegen Flüchtlingsnot.

Wunder oder Zeichen einer vorsichtigen Öffnung?

Die altpersische Residenzstadt Persepolis

Die altpersische Residenzstadt Persepolis
© AA

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Die altpersische Residenzstadt Persepolis

Die altpersische Residenzstadt Persepolis

Die altpersische Residenzstadt Persepolis

"What a miracle!" begrüßt mich die Initiatorin des Treffens, Setareh, euphorisch und mit glänzenden Augen. Und in der Tat, ein kleines Wunder ist es schon, dass das iranische Innenministerium der Konferenz nicht nur zugestimmt hat, sondern sich sogar rege daran beteiligt. Nichtregierungsorganisationen haben es schwer in Iran – oft genug erhalten sie keine Arbeitsgenehmigung, sie beklagen Kontrollen durch die Regierung, bis hin zur Verhinderung ihrer Arbeit. Doch vielleicht tut sich jetzt etwas, vielleicht ist diese Konferenz das Zeichen für eine vorsichtige Öffnung, die es zu nutzen gilt. Gemeinsam mit den NRO und dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, hat auch die deutsche Botschaft Teheran auf diesen Tag hin gearbeitet.

Die Konferenz beginnt. Da es bei offiziellen Anlässen Pflicht ist, wird zunächst aus dem Koran zitiert und die iranische Nationalhymne gespielt. Die Anwesenden erheben sich. Wie alle anderen Teilnehmerinnen auch, trage ich einen langen Mantel und zupfe mein Kopftuch zurecht. Diese Kleiderordnung für Frauen, genannt "Hedschab", war für mich am Anfang gewöhnungsbedürftig. Aber sie ist Voraussetzung, um sich in Teheran auf öffentlichem Parkett zu bewegen.

Brücken bauen - trotz Schwierigkeiten

Was ist Diplomatie? Mein Botschafter sagte einmal: "Mit Freunden zu reden ist leicht. Diplomatie fängt da an, wo man Brücken bauen, den Dialog auch in schwierigen Zeiten aufrecht erhalten muss." Genau darum geht es hier. Ob mit "Hedschab" oder ohne –  die TeilnehmerInnen diskutieren lebhaft und sparen nicht mit offener Kritik. Die Meinung der Deutschen Botschaft ist gefragt, für die Nichtregierungsorganisationen bedeutet die Anwesenheit Deutschlands an diesem Tag internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Beeindruckt von der Atmosphäre der Konferenz fahre ich nachmittags in die Botschaft. Die Rechts- und Konsularabteilung in Teheran gehört zu den zehn größten des Auswärtigen Amts. Mehr als 50.000 Visa werden hier jährlich ausgestellt, über 150.000 Iraner leben und arbeiten in Deutschland, die Beziehungen sind vielfältig und eng. Heute zum Beispiel beurkunden wir eine Anmeldung zur Eheschließung, für das junge deutsch-iranische Paar ein wichtiger Schritt und ein feierlicher Moment. Visafälle sind zu klären, ein deutscher Staatsangehöriger hat in Isfahan seinen Pass verloren, wir telefonieren, organisieren Hilfe.

Abends begegne ich vor meinem Haus wieder dem kleinen afghanischen Jungen mit den so fröhlichen Augen. Gemeinsam mit seiner Familie lebt er auf der Baustelle gegenüber in einem Verschlag. Schüchtern grüßen wir uns in der untergehenden Sonne. Heute habe ich versucht, ein klein wenig beizutragen, damit sich die Situation von Familien wie der seinen bessert. Es war ein guter Tag – auf Posten in Teheran.

Weitere Beiträge aus unserer Reihe "Auf diplomatischer Mission"


Stand 08.05.2013

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