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"Deutschland 360 Grad"

Im Mai beginnt unter dem Motto "Wo Ideen sich verbinden" das Deutschlandjahr 2013-2014 in Brasilien. Für das Auswärtige Amt ist das fast schon Routine, denn es hat schon in Japan, China, Indien und Russland gezeigt, was Deutschland zu bieten hat. Ab Mai sind es nun also die Brasilianer, die uns von unserer besten Seite kennenlernen sollen - in  Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung. Sympathie für Deutschland zu wecken, stärkt die Kooperation, öffnet Türen für deutsche Unternehmen und soll unser "Image" und die Zusammenarbeit verbessern. Der Kulturreferent des Deutschen Generalkonsulats in São Paulo, Ralf Heinkele, beschreibt diese sportliche Herausforderung.

Deutschland wird es von Mai 2013 bis Mai 2014 zum Sehen, Schmecken, Riechen, Fühlen und Hören geben. Wir nennen das Deutschland 360 Grad, es könnte aber auch Deutschland mit allen Sinnen heißen. Das Wichtige ist, dass die Brasilianer uns vielschichtig und positiv wahrnehmen. Zum Glück stößt Deutschland hier bereits auf viel Sympathie und Wohlwollen: Die Brasilianer finden uns grundsätzlich gut und werden daher sicher an unseren mehreren hundert Veranstaltungen teilnehmen.

Die Schwierigkeit ist, dass diese Sympathie vielfach auf positiven Vorurteilen und der Unterstellung typischer deutscher Tugenden beruht: Wir gelten als pünktlich und zuverlässig, arbeiten hart und sind erst zufrieden, wenn alles perfekt ist.

Wie denken und fühlen die  Deutschen?

Allerdings haben wir Deutsche heute andere Ansprüche an unser Image im Ausland und möchten uns auch als kreativ, humorvoll und offen geben. Darüber hinaus können sich die meisten Brasilianer unter Deutschland leider doch nicht allzu viel Konkretes vorstellen, da viele fürs Shopping lieber nach Miami und für die Kultur nach Paris fliegen als nach Berlin. Wie es in Deutschland aussieht, was der Deutsche so denkt und fühlt, das weiß hier kaum einer. Es interessiert aber auch nicht unbedingt in dem Maße, wie wir uns das wünschen.

Kulturschock durch Nähe

Sao Paulo

Brasilianische Wirtschaftsmetropole Sao Paulo
© picture - alliance / ZB

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Sao Paulo

Sao Paulo

Brasilianische Wirtschaftsmetropole Sao Paulo

Daher liegt die wahre Herausforderung in Brasilien vielleicht weniger darin, ein positives Deutschlandbild zu schaffen, als erstmal überhaupt eins. Denn Brasilien ist ein junges Land, die staatlichen Strukturen, das soziale Gefüge und die seelische Befindlichkeit sind in ständiger Bewegung, und Kultur definiert sich hier oft über Konsum. Und obwohl wir es oft unterstellen, denkt der Brasilianer keineswegs europäisch. Kulturschock und Missverständnisse kommen hier daher eher auf als in Ländern, in denen wir keine europäisch geprägte Kultur antreffen. 

Umgekehrt bringen Brasilianer nicht notwendigerweise mit Deutsch in Verbindung, was wir heute darunter verstehen: Das moderne Deutschland entspricht nicht dem traditionellen Klischee. Zudem ist Brasilien ein Land kontinentaler Größe, hat sich über die Jahrhunderte eher auf sich selbst besonnen und beginnt erst, sich mit dem Ausland so differenziert auseinanderzusetzen, wie wir das mit dem Deutschlandjahr erreichen wollen.

Nicht nur Bier und Autos

Wir rennen hier daher offene Türen ein, müssen uns aber auch darauf einstellen, dass Brasilianer die Welt ganz anders sehen als wir - und ganz anders, als wir denken, dass sie sie sehen. Die wahre Herausforderung ist daher nicht, uns in 360 Grad zu präsentieren, sondern mehr als ein Feuerwerk der guten Laune zu zünden. Wenn es uns gelingt, dass die Brasilianer nach Ablauf dieses Jahres uns nicht mehr nur mit Bier, Fußball, Autos oder Gefühlskälte in Verbindung bringen, haben wir schon eine ganze Menge geschafft.

Lesen Sie hier weitere Beiträge aus unserer Reihe: "Auf diplomatischer Mission" - Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Auswärtigen Amts berichten über ihre Arbeit


Stand 13.03.2013

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