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Papierkrieg für sauberes Wasser

Nordkorea ist wegen seines umstrittenen Atomprogramms in den Schlagzeilen. Das Land schottet sich weitgehend von der Außenwelt ab. Dennoch dringen immer wieder Nachrichten nach außen, die etwa die ärmlichen Lebensbedingungen der Menschen zeigen. Die Stellvertreterin des deutschen Botschafters in Pjöngjang, Katrin Werdermann, berichtet von einem Projektbesuch in der Provinz. Mit deutschen Geldern wird dort versucht, die Situation der Menschen ganz konkret zu verbessern.

In Nordkorea herrscht chronischer Mangel an fast allem, vor allem außerhalb der 'Vorzeige'-Hauptstadt Pjöngjang. Das gilt auch für sauberes Trinkwasser. In vielen Dörfern muss Wasser über weite Strecken herangeschleppt werden. In der Praxis erledigen das oft Frauen und Kinder. Die hygienischen Bedingungen sind schlecht. Viele Krankheiten werden durch verschmutztes Wasser übertragen. Beides erschwert den ohnehin schon mühsamen Alltag der Landbevölkerung.

Deutsche Unterstützung vor Ort

Mit internationaler Unterstützung, teils auch mit Finanzierung durch den deutschen Steuerzahler, hilft das Rote Kreuz; so stattet es Dörfer mit praktischen und sauberen Wasserver- und -entsorgungssystemen aus. Vor dem Projektstart hilft die deutsche Botschaft, die Zustimmung der nordkoreanischen Behörden zu erlangen und berät die Bundesregierung, ob öffentliche Mittel hier sinnvoll eingesetzt werden können. Auf ausgewählten Fahrten unterstützen wir dann das Rote Kreuz beim ‚Monitoring’, das heißt wir überzeugen uns vor Ort, dass die Gelder sinnvoll verwandt werden und tatsächlich helfen, die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern.

Unser Botschaftsteam ist klein: es besteht aus acht Deutschen. Als Vertreterin des Botschafters in Pjöngjang hatte ich im Herbst 2012 Gelegenheit, gemeinsam mit dem Wasserbauingenieur des Roten Kreuzes und dem Botschaftsdolmetscher einige dieser Projekte in der Provinz Süd-Hamkyong ca. 200 km östlich von Pjöngjang zu besuchen.

Papierkrieg und abenteuerliche Autofahrten

Mit dem Geländewagen und der deutschen Flagge über Stock und Stein

Mit dem Geländewagen und der deutschen Flagge über Stock und Stein
© G. Tauscher

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Mit dem Geländewagen und der deutschen Flagge über Stock und Stein

Mit dem Geländewagen und der deutschen Flagge über Stock und Stein

Mit dem Geländewagen und der deutschen Flagge über Stock und Stein

Fahrten in die Provinz sind in Nordkorea immer ein Abenteuer. Das fängt schon beim Papierkrieg im Vorfeld an. Man kann sich in dem totalitär regierten Land nicht frei bewegen. Selbst Diplomaten müssen Fahrten außerhalb der Hauptstadt beim Außenministerium genehmigen und sich von einem Koreaner begleiten lassen. Geht es dann los, sind die - in der Provinz meist unbefestigten -  Straßen eine Herausforderung für Fahrer und Auto. Unser Wagen hielt wacker durch und trug uns sicher über Stock und Stein, selbst durch diverse Flussbetten.

Bei solchen Überlandfahrten sieht man, wie ärmlich es im Land zugeht. Zwar herrscht in Nordkorea keine akute Hungersnot, aber Unter- und Mangelernährung sind vor allem für Kinder, Schwangere sowie Alte und Kranke eine Bedrohung. Mangels Treibstoff und Maschinen wird Landarbeit oft noch mit dem Ochsenkarren oder per Handarbeit betrieben. Die einfachen Bauernhäuser sind schlecht isoliert, im Winter unzureichend geheizt und bitter kalt.

Dankbare Reaktionen der Menschen

Wir besuchten verschiedene Anlagen  – zum Teil betrieben per Hydraulikpumpe, zum Teil per Schwerkraft, indem Wasser von einem Reservoir auf einem Hügel per Rohrleitung auf die einzelnen Haushalte verteilt wird. Ein einfaches, aber effizientes Prinzip, das die Lebensqualität der Landkommunen wirklich verbessert. Es war schön, dies von den einzelnen Bewohnern der Häuser direkt bestätigt zu bekommen, die nun fließendes Wasser frei Haus erhalten. Und die Kinder des dörflichen Kindergartens sind nach Auskunft der Leiterin nun auch viel seltener krank.

Am Schluss: Übergabe in nordkoreanische Verantwortung

Gespräch mit den Vertretern des Volkskomitees des Kreises Kumya

Gespräch mit den Vertretern des Volkskomitees des Kreises Kumya
© G. Tauscher

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Gespräch mit den Vertretern des Volkskomitees des Kreises Kumya

Gespräch mit den Vertretern des Volkskomitees des Kreises Kumya

Gespräch mit den Vertretern des Volkskomitees des Kreises Kumya

Zum Abschluss wurde die Übertragungsurkunde feierlich unterzeichnet. Damit geht die Verantwortung in die Hände der Nordkoreaner über – die diese Errungenschaft sicher nicht leichtfertig wieder aufgeben werden. Die frohen Gesichter machten den Dank an die ausländischen Helfer deutlich.

Alle Berichte "In diplomatischer Mission" lesen Sie hier


Stand 23.02.2013

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